Hörgesundheit
Tinnitus und Hörgeräte: Wie moderne Technik helfen kann
Von Nicholas Julius · Lesezeit ca. 3 Minuten · 30. März 2026

Kurz gesagt
Tinnitus ist ein Symptom, keine Krankheit. Bei den meisten Menschen mit Ohrgeräuschen finden wir auch einen Hörverlust, und dort setzen Hörgeräte an: Sie bringen fehlende Töne zurück, überdecken das Geräusch mit einem Noiser und lassen sich bei tonalem Tinnitus gezielt einstellen. Heilen können wir Tinnitus nicht. Ob eine Versorgung Ihnen hilft, hören Sie beim Probetragen.
Was Tinnitus ist
Ein Pfeifen, Rauschen oder Summen, das kein anderer hört: Tinnitus kennen Millionen Menschen in Deutschland, viele nur zeitweise, manche Tag und Nacht. Als Hörakustikmeister sitze ich fast täglich jemandem gegenüber, der sagt: „Es ist immer da, am schlimmsten abends, wenn es still wird.“
Das Geräusch kommt nicht von außen; das Gehirn erzeugt es selbst. Warum, ist von Fall zu Fall verschieden.
Häufige Auslöser
- Hörverlust: der häufigste. Fehlen dem Gehirn bestimmte Töne, füllt es die Lücke mit eigenen Signalen.
- Lärm: ein einzelner Knall oder Jahre in einer lauten Halle.
- Stress und Schlafmangel: lösen Tinnitus selten aus, machen ihn aber lauter.
- Ohrenschmalz: ein verstopfter Gehörgang, die einfachste Ursache und die am schnellsten behobene.
- Medikamente, Kiefer, Durchblutung: seltener, und sie gehören in ärztliche Hände.
Was Hörgeräte bei Tinnitus tun können
1. Fehlende Töne zurückbringen
Wenn das Hörgerät die Frequenzen verstärkt, die durch den Hörverlust leiser geworden sind, hat das Gehirn wieder echte Geräusche zu verarbeiten. Der Tinnitus ist dann nicht mehr das einzige Signal. Manche Menschen nehmen ihn dadurch weniger wahr, andere kaum verändert. Was bei Ihnen passiert, hören Sie beim Probetragen selbst.
2. Noiser: ein Geräusch gegen das Geräusch
Viele Hörgeräte haben einen Tinnitus-Noiser eingebaut: ein leises Rauschen oder Naturklänge wie Meeresrauschen, die den Tinnitus überdecken oder in den Hintergrund rücken. Wir stellen Lautstärke, Klangfarbe und Zeiten so ein, dass es Ihnen angenehm ist. Zuschalten können Sie es per App, wenn Sie es brauchen, etwa abends.
3. Notch-Einstellung
Bei einem Tinnitus mit klarer Tonhöhe können wir das Hörgerät so einstellen, dass es genau diese Frequenz ausspart und alles andere verstärkt. Die Idee dahinter: Das Gehirn soll die Aktivität an dieser Stelle mit der Zeit herunterfahren. Signia und Oticon bieten die Funktion in vielen Modellen an. Ob und wie gut das wirkt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt; es braucht Geduld und tägliches Tragen. Wir sagen Ihnen ehrlich, was wir davon erwarten und was nicht.
4. Das Ganze zusammen
Meist kombinieren wir: eine gute Versorgung des Hörverlusts, den Noiser für belastende Phasen, bei tonalem Tinnitus die Notch-Einstellung, und Hinweise zu Schlaf, Entspannung und dem Umgang mit dem Geräusch. Wir können dafür sorgen, dass der Tinnitus weniger Platz in Ihrem Tag bekommt.
Wann Sie zur HNO-Praxis müssen
Gehen Sie zügig zum Arzt, wenn der Tinnitus plötzlich und nur auf einem Ohr auftritt, wenn Schwindel oder ein Hörsturz dazukommen, wenn er im Takt Ihres Pulses pocht, oder wenn Schlaf, Konzentration oder Stimmung leiden. Die HNO-Praxis schließt Ursachen aus, die behandelt werden müssen, und stellt die Verordnung für die Hörgeräteversorgung aus.
So gehen wir vor
- Zuhören: Seit wann, wie klingt es, wann ist es schlimmer, was hilft schon?
- Messen: Hörtest und Bestimmung von Tonhöhe und Lautstärke Ihres Tinnitus.
- Auswählen: ein Gerät mit den passenden Tinnitus-Funktionen für Ihre Situation.
- Einstellen und Probetragen: Noiser, gegebenenfalls Notch, mehrere Wochen im Alltag.
- Nachsorge: Feineinstellung und ein offenes Ohr, auch nach der Versorgung.
Die Tinnitus-Beratung ist bei uns kostenlos, in allen fünf Filialen. Vereinbaren Sie einen Termin, wir nehmen uns Zeit.
Der nächste Schritt
Warten Sie nicht, bis der Hörverlust Ihren Alltag spürbar einschränkt. Je früher Sie handeln, desto besser sind die Ergebnisse.
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